Donnerstag, 10.05.2012

9. Mai: Spaziergang mit Kalaschnikow wird toleriert

Polizeilogik: Ein Gewehr geht ok, solange kein weißes Bändchen dran hängt  (Foto: dja/.rufo)
Moskau. Ein Blogger berichtet über ein ungewöhnliches Experiment am Siegestag, dem 9.Mai: Trotz enormer Polizeipräsenz im Moskauer Stadtzentrum konnte man dort unbehelligt mit einer Kalaschnikow-Attrappe herumlaufen.
Wie der Blogger Wadim Zybanow berichtet, waren seine Freunde am 7. Mai vorübergehend festgenommen worden, weil sie - wie viele Oppositionsaktivisten – am Tag der Putin-Inauguration mit weißen und roten Bändchen an der Kleidung in der Stadt unterwegs waren.

Daraufhin entschlossen sie sich zu einem Experiment, um die Aufmerksamkeits-Kriterien der Polizei zu testen: Am Siegestag sei einer der Bekannten des Bloggers mit einer Kopie eines AK-74-Schnellfeuergewehrs durch Moskau spaziert.

Waffenstarrend durchs Moskauer Polit-Zentrum


Mit dieser „Bewaffnung“ hätte der Tester unbehelligt an der Staatsduma und dem Moskauer Bürgermeisteramt vorbeigehen können, sei über den Puschkin- und den Manegeplatz sowie die Twerskaja-Straße spaziert und sogar bei McDonald`s zu einem Imbiss eingekehrt.

Dabei stand zu diesem Zeitpunkt das Moskauer Stadtzentrum wegen des Präsidentenwechsels, der Proteste dagegen sowie aufgrund der Militärparade und der Feiern zu Siegestag unter massiver Bewachung.

„Was macht die Polizei eigentlich“, fragt nun der Blogger. „Hätte ich ein weißes Bändchen dabei gehabt, hätte man mich nach zehn Metern einkassiert. Aber ein Mensch, der mit einer Kalaschnikow ausgeht, interessiert niemanden“, so Zybanow. Viele Polizisten hätten die Waffe zwar bemerkt, aber dann bewusst zur Seite geschaut.

Kalaschnikow als patriotischer Gefühlsausdruck


Da sich an diesem Datum manche Feiernde mit Sowjet- und Armeeattributen wie Flaggen, Uniformmützen und auch alten Militärgeländewagen ausstaffieren, scheint in den Augen der Moskauer Polizei auch eine veritable Waffe keinen Argwohn zu erregen.

Wenn also Terroristen oder Amokläufer am 9. Mai einmal unter den Feiernden in Moskau ein Massaker anrichten wollen, müssen sie sich zur Tarnung wohl nur ein paar rote Sterne an die Mützen pinnen und beim Anmarsch eine Hammer-und-Sichel-Fahne schwenken.