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Dienstag, 05.07.2005

Arbeitsurlaub am Baikalsee

Alexej Knelz, Moskau. Angestellte der DaimlerChrysler AG und Lufthansa AG gingen gestern auf Sightseeing-Tour auf der Moskwa. Morgen machen sie sich auf zum Baikalsee – um dort drei Wochen lang gratis zu arbeiten.


Elf Monate arbeiten für vier Wochen bezahlten Urlaub? Eine knallharte Bedingung der freien Marktwirtschaft, deren Erfüllung manch einen – man betrachte da nur die IG-Metall – ganz schön auf die Palme treibt. Und wenn derjenige dann in den vier hart verdienten Wochen des wohlverdienten Nichtstuns zu Aktivitäten bewegt werden soll, so kann es für seinen Ruhestörer ganz schön gefährlich werden.

Dass die neun Angestellten der DaimlerChrysler AG und vier Mitarbeiter der Lufthansa AG in ihrem Urlaub drei Wochen an den Baikal-See fahren, um dort zu arbeiten, ist bemerkenswert. Vor der Arbeit kam immerhin das Vergnügen: Die Kennenlernreise begann gestern in der russischen Hauptstadt mit einer Schiff-Tour über die Moskwa.

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Fahrende Kennenlernrunde

Da die Arbeitswütigen nur zwei Tage Aufenthalt in Moskau haben, organisierte Claudia Brünner, die Senior Managerin bei DaimlerChrysler Russland, eine Schifffahrt auf der Moskwa. So konnten in kürzester Zeit viele Sehenswürdigkeiten vom Wasser aus besichitgt werden - vom Gorkij-Park bis zur „Roter Oktober-Schokoladenfabrik“ und dem Kreml.

Mit an Bord des Tourschiffs „Dmitrij Donskoj“ waren auch zehn Studenten des Freien Russisch-Deutschen Insituts für Publizistik. Nach einer Vorstellungsrunde vertiefte sich die Versammlung in heitere Diskussionen über Radikaltouristen. Denn die Reisenden zum Baikal erfolgt nicht per Flugzeug, vielmehr muß das tapfere Dutzend fünf Tage lang in der 2. Klasse der Transsibirischen Eisenbahn ausharren, bis es das Sibirische Meer erblicken wird.

Nature Summer Camp 2005

Die ganze Aktion nennt sich „Nature Summer Camp“ und stößt von Jahr zu Jahr auf größeres Interesse. Dieses Jahr sollen es 150 Freiwillige gewesen sein, die mithelfen wollten, doch es gab nur 45 Plätze. Organisiert wird das „Nature Summer Camp 2005“ vom Global Nature Fond , einer internationalen Stiftung für Umwelt und Natur, die in Radolfzell am Bodensee beheimatet ist.

Der Fond koordiniert das Programm „Living Lakes“, bei dem es um den weltweiten Schutz von Binnengewässern und Feuchtgebieten geht. Der Baikalsee ist als eines der ersten Gewässer in das Schutzprogramm aufgenommen worden - immerhin ist er der tiefste See der Erde, in dem zudem rund 20 Prozent des Weltsüßwasservorkommens gespeichert sind.

Bei Russland-Aktuell
• Neuer Rettungsplan für den Baikal (07.06.2005)
• Fisch-Paradies in Moskauer Gewässern (28.06.2005)
• Russischer Staat muss für schlechte Luft zahlen (10.06.2005)
Im ältesten Naturschutzgebiet Russlands sollen die Freiwilligen arbeiten: Der Sabajkalskij-Naturpark wurde 1916 vom Zar Nikolaus II. persönlich angelegt. Der Monarch wollte die prachtvolle Natur am Baikalsee um jeden Preis für die Nachwelt erhalten.

Das ist nicht immer einfach. „Umweltschutz ist in Russland ein Fremdwort“, beklagt sich eine Mitveranstalterin. Die Einwohner der Gegend seien zu verantwortungslos, deswegen sei es ein Segen, dass wenigstens ausländische Konzerne das Sponsoring von Schutzprogrammen übernehmen würden. Daher sei es auch sinnvoll, 13 Personen aus dem 7.000 Kilometer entfernten Europa in die Tiefen Sibiriens zu holen: „Sie gehen mit gutem Beispiel voran. Sobald die Einheimischen merken, dass sich selbst Ausländer um das Heilige Meer Sibiriens kümmern, entwickeln sie eine Verständnis für ihre Umwelt“. So haben beim letzten Summer Camp Einheimische mitgeholfen - „sie sind von der Arbeitslust der Deutschen angesteckt worden“, schmunzelt Larissa Batozyrenowa.

Mehr dazu im Internet:
• Der Sabajkalskij-Nationalpark

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Für die 13 freiwilligen Helfer gibt es viel zu tun: Sie werden eine Hütte und Camping-Einrichtungen instandsetzen, einen Ökopark anlegen, Wanderpfade neu beschildern und kranke Bäume abholzen. Ferner müssen neue Wanderwege angelegt werden - das Gebiet entwickelt sich langsam zu einem beliebten Reiseziel.

Die Arbeit reicht für alle, aber es könnten noch mehr Helfer sein, sagt die Umweltschützerin. Sie träumt, davon, dass in Zukunft russische Mitarbeiter dem Vorbild der deutschen Kollegen folgen werden. Schließlich gehe es um einen sensiblen Naturschatz von Weltbedeutung.

Ganz mit leeren Händen gehen die arbeitslustigen Urlauber dann doch nicht nach Hause: Neben dem erfüllenden Gefühl, dass ein dreiwöchiger Aufenthalt im Naturschutzgebiet über ein Reisebüro das drei- bis vierfache kosten würde (die Lufthansa AG und die DaimlerChrysler AG übernehmen sämtliche Organisationskosten für den Summer Camp), lernen sie, wie Larissa Batozyrenowa es formuliert, „mit der Natur im Einklang zu leben und genügsam zu sein. Sie lösen sich sozusagen von den Maximen der modernen Gesellschaft los“.

Auf Grund gelaufen
Die Gesprächsrunde auf dem „Dmitrij Donskoj“ war auf ihrem Höhepunkt, als das Schiff beim Wenden vor dem Kreml auf Grund lief. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch, denn die Rettungsaktion konnte sich sehen lassen: Ein herbei gerufener Seewolf rammte mit seinem Kahn die „Dmitrij Donskoj“ so lange, bis das Schiff seine Reise zurück zum Anlegeplatz fortsetzen konnte.

(ali/.rufo)


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