Donnerstag, 24.02.2011

Lenin empfängt nicht mehr: Mausoleum zwei Monate dicht

Seit fast 90 Jahren liegt Lenin in seinem gläsernen Sarg an der Kremlmauer (Foto: TV)
Moskau. Das Lenin-Mausoleum schließt seine Pforten. Offiziell heißt es, für zwei Monate wegen Prophylaxe-Arbeiten. Doch die Diskussionen um die Zukunft des Revolutionsführers spitzen sich zu.
Vom 25. Februar bis 19. April bleibt das Lenin-Mausoleum geschlossen. Nach Angaben des Föderalen Wachdienstes FSO werden in dieser Zeit geplante Prophylaxe-Arbeiten durchgeführt.

Fast 90 Jahre im Mausoleum


Seit seinem Tod 1924 liegt der Körper Lenins im Mausoleum. Gegen den Willen der Angehörigen Lenins, insbesondere seiner Ehefrau Nadeschda Krupskaja wurde der Leichnam des Revolutionsführers auf Anweisung Stalins einbalsamiert und ausgestellt.

Die ersten Jahre lag die Mumie in einem Eichenholz-Mausoleum an der Kremlmauer. Der heutige dunkelrote Granitbau wurde 1930 begonnen. Während des Zweiten Weltkriegs musste Lenin kurzzeitig nach Tjumen umgebettet werden.

Nur noch zehn Prozent echt


Die lange Lagerung hat Spuren am Pharao der Oktoberrevolution hinterlassen. Regelmäßig wird der Körper Lenins zur Renovierung aus dem Mausoleum in ein auf Mumifizierung spezialisiertes Fachlabor gebracht. Dabei wird nicht nur die Kleidung Lenins aufgefrischt.

Angeblich hatten vor Jahren zur Zeit der Perestroika-Wirren Besucher des Mausoleums schon einmal Schimmel an einem Ohr Lenins entdeckt. Inzwischen sollen nur noch zehn Prozent des Körpergewebes echt sein.

Diskussion um christliche Beerdigung


Die Debatte um eine Beerdigung Lenins nimmt daher zu. Die russich-orthodoxe Kirche spricht sich seit Jahren dafür aus.

Unlängst hat auch die Kremlpartei "Einiges Russland" eine solche Initiative gestartet. Bei einer Umfrage auf der Internetseite der Partei sprachen sich angeblich 70 Prozent für eine Umbettung aus.

Offiziell kein Thema


Die Kommunisten protestieren gegen derartige Pläne. Offiziell hat der Kreml das Thema inzwischen beerdigt. Doch hinter den Kulissen geht der Streit weiter.

So ist die jetzige Schließung Grund für neue Spekulationen. Immerhin sollte der generalüberholte Lenin ab dem 19. April wieder ausgestellt werden, könnten ihm die Kommunisten drei Tage später zum Geburtstag gratulieren. Es wäre Lenins 141.