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Generaldirektor von MosEnergoe, Vitali Jakowlew (Vitali Yakovlev) (Foto. Mosenergo)
Generaldirektor von MosEnergoe, Vitali Jakowlew (Vitali Yakovlev) (Foto. Mosenergo)
Montag, 29.08.2011

Mosenergo: Strom für Moskau, Kooperation mit Westeuropa

Moskau. Die Energiekonzerne Gazprom und RWE haben im Juli eine strategische Zusammenarbeit vereinbart. Gazprom bringt auch die Erfahrungen von Mosenergo ein, dem grössten regionalen russischen Energieproduzenten. Ein Gespräch mit Mosenergo-Direktor Jakowlew.

Im Laufe von drei Monaten, so wurde Mitte Juli vereinbart, wollen RWE und Gazprom exklusiv über die Zusammenarbeit beim Kraftwerksbau in Europa sprechen. Angesteuert wird laut "Memorandum of Understanding" die Bildung eines Gemeinschaftsunternehmens, das vorhandene Kraftwerke betreiben und neue bauen soll.

Die Rede ist vom Bau von Gas- und Kohlekraftwerken in Deutschland, den Benelux-Ländern und Grossbritannien.

RWE erreicht durch eine solche Kooperation sicheren Zugang zu den russischen Gasquellen, die bisher von E.ON und anderen besetzt waren.

OAO Mosenergo
Grösster regionaler Stromproduzent in Russland, einer der grössten Erzeuger von Fernwärme weltweit.

Mosenergo betreibt 15 Kraftwerke mit einer elektrischen Leistung von 12.300.000 Megawatt und Wärmeerzeugung von 40.800.000 MW (35.100.000 GigaKalorien/Stunde).

Mosenergo produziert über 60 Prozent des im Raum Moskau verbrauchten Stroms. 70% der Fernwärme kommen von Mosenergo.

Hauptaktionär bei Mosenergo ist das Unternehmen Gazprom EnergoHolding, eine 100-prozentige Tochter von Gazprom.
Gazprom erschliesst sich nicht nur neue Absatzmärkte, sondern kann durch Bau und Betrieb neuer Kraftwerke in Europa in Endverbrauchernähe produzieren.

Gazprom verfügt in Russland über die grössten Erfahrungen beim Bau und Betrieb moderner Kraftwerke: Der Moskauer Energie- und Fernwärmeversorger Mosenergo, der zu Gazprom gehört, versorgt mit seinen Kraftwerken einen Wirtschaftsraum mit einer Bevölkerung von 15 bis 20 Millionen Menschen.

Mosenergo Generaldirektor Vitali Jakowlew im Russland-Aktuell Interview über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen russischen und weteuropäischen Energieversorgern, über die Bereitschaft zur Kooperation und die Erwartungen, die an die Zusammenarbeit geknüpft werden.

Wir veröffentlichen das Gespräch in zwei Teilen.




R-A: Brütende Hitze herrscht heute in Moskau. Ist das ein Problem für Mosenergo und die Kühlung der Kraftwerke?

Jakowlew: Wir sind stark abhängig von extremer Kälte und grosser Hitze. Alles andere stört uns nicht. Im vergangenen Jahr war es wirklich problematisch, wenn auch beherrschbar, in diesem Jahr ist alles in der Norm.

R-A: Wie zuverlässig ist die Energieversorgung in Moskau gegenwärtig?

Jakowlew: Solche Fragen beantworten wir gerne im Kontext des Blackouts im Mai 2005, an den man sich noch gut erinnert. Seitdem haben wir unsere Stromerzeugungskapazitäten verstärkt. Wir haben vier neue Mosenergo-Kraftwerksblöcke mit einer Leistung von 1.700 Megawatt gebaut – das macht heute bereits 15% unserer Stromproduktion aus.

Die Netzbetreiber haben ebenfalls erheblich in den Ausbau der Netze investiert. Es wurden viel schneller neue Kapazitäten gebaut, als der Verbrauch stieg. Zur Zeit ist die Situation also viel besser als früher.

Lassen Sie mich auch darauf hinweisen, dass wir auch nicht mehr als "Gross-Mosenergo" für die Energieversorgung insgesamt alleine zuständig sind. Das neue Energieversorgungssystem wird heute von selbstständigen Systemoperatoren geleitet, die das System heute auch positiv und sicherer als 2005 einschätzen. Trotzdem sollen neue Stromerzeugungskapazitäten und neue Netze in den kommenden Jahren gebaut werden.
R-A: Wer außer Mosenergo erzeugt in Moskau Elektrizität?

Jakowlew: Moskau ist keine Insel. Im Stromnetz gibt es ausser uns noch die Atomenergie, die Kraftwerke von E.On Russsland (in Schatura) und OGK-4 sowie eine Reihe von kleinen Energieerzeugern. Wir arbeiten ansonsten auch auf dem Gebiet der Wärmeversorgung, und da existiert ebenfalls eine Reihe von kleinen und mittleren Anbietern für Moskau.

R-A: Die kombinierte Produktion von Elektroenergie und Fernwärme ist sicher eine Besonderheit Russlands, die sie von allen Nachbarn unterscheidet.

Jakowlew: So etwas gab es in allen Ländern, die die zentrale Planwirtschaft durchlaufen haben, damals wurde eine kombinierte Energieerzeugung gebaut. Mosenergo betreibt wahrscheinlich die größte derartige kombinierte Energieerzeugung in der Welt, denn Moskau ist eine nördlich gelegene Megapolis mit einer zentralisierten Energieversorgung.

Meiner Meinung nach ist das unterm Strich sogar eher von Vorteil. Wenn wir das westeuropäische und das amerikanische System der getrennten Generierung von Strom und Wärme zum Vergleich nehmen, so wird im Endeffekt unsere Energie billiger sein.

R-A: Nehmen Sie Einfluss auf das Verhalten der Verbraucher, zum Beispiel was den Einsatz von Energie sparenden Technologien und Baustoffen angeht? Im Moment ist das noch ein Fass ohne Boden. Wir beheizen die Umwelt und beleuchten unbelebte Gegenden.

Vitali Jakowlew, Generaldirektor Mosenergo
Geboren am 21.1.1972.

1994 absolvierte Vitali Georgewitsch Jakowlew die Staatliche Universität für Wirtschaft und Finanzen im Studienbereich \"Ökonomie und Soziologie der Arbeit\".

2005-2007 erwarb er den MBA des Oxforder Institutes für Internationale Finanzen. Jakowlew ist lizensierter Buchhalter und Mitglied der ÀÑÑÀ (Association of Chartered Certified Accountants).

1994-97 arbeite er als Buchhalter und Auditor in Petersburger Unternehmen. 1997-2003 war er Senior Auditor und Manager bei KPMG in St. Petersburg und Moskau.

2004-2007 bei WostokGazprom in Tomsk zunächst Vizepräsident, dann Präsident

2007-2008 Stellvertretender Generaldirektor bei Mosenergo, zuständig für Corporate Governance.

Seit April 2008 - Generaldirektor von Mosenergo
Jakowlew: Das stimmt, aber wir nehmen praktisch keinen Einfluss auf unsere Verbraucher, weil wir nicht direkt mit ihnen in Kontakt stehen, wir betreiben keinen „Einzelhandel“. Mosenergo verkauft Strom nicht selbst, der Verkauf liegt in den Händen eines anderen Unternehmens. Auch Wärmeenergie verkaufen wir nicht direkt an den Endverbraucher, sondern an Unternehmen, Wohnungsverwaltungsgesellschaften und große Immobilienfirmen.

Bei der Energieeffizienz, da stimme ich Ihnen zu, ist noch viel zu tun. Aber die Nachtbeleuchtung in der Stadt bleibt zum Beispiel nicht aus Unfähigkeit zum Wirtschaften angeschaltet, sondern um das Stromsystem stabil zu halten. Das ist auch keine Moskauer Erfindung, das wird in großen Städten so gehandhabt, in Tokio zum Beispiel.

Die Hauptbelastungszeit ist am Abend. Wenn man nachts das System herunterfährt und in der Frühe eine neue Stoßzeit beginnt, kann das zu Ausfällen führen. Diese kämen dann teurer zu stehen, als der nächtliche Energieverbrauch.

In vielen Städten wird der nächtliche Energieverbrauch durch Rabatte stimuliert oder es werden sogar extra Lampen eingeschaltet, um das System auf dem notwendigen Level zu halten. Dies Verfahren beschließt aber nicht eine einzelne Gesellschaft, sondern der Systemoperator. Auch in Moskau ist das der Fall.

Ich stimme Ihnen zu, dass wir bei der Effizienz der Energie- und Wärmeversorgung noch viel tun müssen, aber diese Aufgabe liegt nicht in erster Linie beim Energieerzeuger.
R-A: Inwieweit nutzen Sie bei der Energieerzeugung die Erfahrungen anderer Länder - oder machen Sie einfach so weiter wie früher?

Jakowlew: Angefangen haben wir mit Weitermachen. Als unser neues Führungsteam bei Mosenergo zu arbeiten begann, haben wir eher die sowjetische Variante einer von Beamten geleiteten Firma übernommen, und zwar deren schlechteste Variante. Unflexibel, endloser Papierkrieg. Die Abläufe stockten, es funktionierte nichts. Davon war die gesamte Firma durchdrungen, das hat uns mächtig geärgert.

R-A: Es wurden mehr Dokumente und Papier produziert als Energie...

Jakowlew: Ja, ein Haufen sinnloser Papierchen und Anweisungen. Das System hatte sich schon vor RAO ES gebildet. Mit dem Papiergewirr wurde mehr vertuscht als gelöst. Es war ein repressives Verwaltungssystem und jedes Problem wurde mit einer Bestrafung „gelöst“.

R-A: Sie meinen damit die Sowjetzeit?

Jakowlew: Ja. Darum war es für uns nicht einfach, diese zahlreichen Regelwerke zu entwirren und zu vereinfachen. Es ging ja auch mehr um die Praxis als um die Regeln, mehr darum, was die Leute draussen in der Produktion tun.

Wir haben natürlich damit begonnen, westliche Erfahrungen zu analysieren, sind viel gereist. Wir waren in Osteuropa und in Deutschland bei E.ON. Besonders interessant für uns waren Erfahrungen mit kombinierter Produktion von Strom und Wärme. Wir haben in New York bei Con Edison gesehen, wie dort gearbeitet wird. Wir haben also recht gute Vorstellungen von der Praxis weltweit.

Seit zwei Jahren sind wir nun schon nicht mehr in der Etappe der Analyse sondern bereits der Realisierung.

R-A: Ist denn heute die Betriebsführung bei Mosenergo schon anders, als sie war?

Jakowlew: Ja, auf allen Ebenen, im Grossen und im Kleinen, an der Spitze von Mosenergo und in den Kraftwerken. Wenn wir von Mosenergo insgesamt reden, so sind wir gegenwärtig ganz auf Energieerzeugung konzentriert. Wir haben alle Bereiche abgeschafft und verkauft, die mit Energieerzeugung nichts zu tun hatten. Mosenergo war ja eine richtige Kolchose im sowjetischen Stil. Es gab alles - von der Kantine bis zu den Putzkolonnen, von der Poliklinik bis zum Kindergarten, dem Fuhrpark und landwirtschaftlicher Produktion ...

R-A: Schweinemast gehörte dazu ...

Jakowlew: ... ja, auch Schweinemast und Fischteiche. Es gab einfach alles. Das war für uns ein Problem - nicht weil wir böse Kapitalisten sind, sondern weil wir meinen, dass alle diese Bereiche eigentlich jeweils ein eigenes Business sind. Kindergärten werden besser von Fachleuten für Kindergärten geführt. Das gilt auch für Kolchosen und Polykliniken. Genau diesen Weg sind wir mit Mosenergo auch gegangen. Der grösste Teil der Arbeit ist hier schon getan, aber wir machen noch weiter.
R-A: Aber die Befreiung von betriebsfremden Ballast ist nicht alles?

Jakowlew: Auch auf der Ebene der Kraftwerke haben wir vieles schon geändert. Im sowjetischen Verwaltungs- und Steuerungssystem ging es um die Steuerung von Anlagen, nicht von Prozessen. Wenn Sie also Kesselanlagen, Turbinen und Generatoren haben, dann haben Sie auch jeweils Kesselpersonal, Turbinenpersonal und Generatorenpersonal, obwohl es sich doch um ein und denselben Prozess handelt, nämlich um Stromproduktion. Das haben wir also alles in den Kraftwerken umgestellt. Das war ein dramatischer Prozess, mit vielen Emotionen. Aber wir sind jetzt wohl schon am Ende dieser Umstellung angekommen.

R-A: Ist die Produktivität der Arbeit denn dadurch wesentlich gewachsen?

Jakowlew: Als wir 2008 zu Mosenergo kamen, haben hier 16.500 Menschen gearbeitet. Jetzt sind es 8.500. Das ergab sich nicht nur aus dem Verkauf einiger Unternehmensbereiche, sondern auch aus der Umorganisation der Produktion. Diese Arbeit ist auch noch nicht beendet.

Ich höre mit grossem Interesse, was manche Besucher unserer besten neuen Kraftwerksanlagen voller Staunen berichten. Da bediene ein Betriebstechniker nicht nur die Kesselanlagen, sondern auch die Elektrotechnik und die automatische Steuerung. So wird weltweit gearbeitet - ausser bisher bei uns. Wir arbeiten darauf hin, werden aber nicht schon morgen dort ankommen.
Dafür müssen die Produktions-prozesse insgesamt umgestellt und das Personal fortgebildet werden. Das dauert wahrscheinlich einige Jahre.




Fortsetzung des Gespräches mit Vitali Jakowlew über die Modernisierung von Mosenergo (Teil 2) >>>

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