Freitag, 24.04.2009

Neuer Streit um Flughafen Domodedowo

Der Flughafen Domodedowo hat sich zum größten Flughafen Russlands entwickelt (Foto: Packeiser/.rufo)
Moskau. Um den Moskauer Flughafen Domodedowo gibt es neuen Streit an. Die staatliche Finanzierung des Airports wurde gestrichen. Betreiber East Line soll so zu höheren Pachtzahlungen gezwungen werden.
Domodedowo hat sich in den letzten Jahren zum größten Flughafen Russlands entwickelt. Den früher einzigen Auslandsflughafen Moskaus, Scheremetjewo, hat Domodedowo in Bezug auf Service und Passagierzahlen längst überholt.

Domodedowo – von Sowjettristesse zum internationalen Drehkreuz


2008 hat Domodedowo eigenen Angaben nach 20,4 Millionen Fluggäste abgefertigt – unter anderem auch Passagiere von Lufthansa und der Austrian Airlines. Beim Gütertransport ist Domodedowo mit 145,1 Mio. t (Stand 2008) landesweit zweitgrößter Umschlagpunkt hinter Scheremetjewo (182,5 Mio. t)

Zu dem Erfolg hat vor allem die Betreibergesellschaft East Line beigetragen, die den Flughafen seit 1998 managt. Der über 75 Jahre geschlossene Pachtvertrag war freilich reichlich dubios. East Line musste pro Jahr umgerechnet nur rund 80.000 Euro für den gesamten Komplex zahlen – bei einem jährlichen Umsatz von mehreren Hundert Millionen.

Jahrelanger Streit um die Pachtgebühren


Das Amt für Staatseigentum hat den Vertrag daher angefochten. 2006 einigte man sich vor Gericht auf die Anhebung der Pacht auf 92 Millionen Rubel (2,1 Millionen Euro). Nun will die Behörde die Pacht nochmals verdoppeln – obwohl dies laut Gerichtsentscheid nur alle fünf Jahre möglich ist.

Zu dem Zweck hat die Behörde vorgeschlagen, die staatliche Finanzierung für den nach wie vor staatlichen Flugkomplex (Tower, Landebahn) zu streichen. Das Verkehrsministerium hat zugestimmt. Heuer sind das immerhin 3,3 Milliarden Rubel (75 Millionen Euro).

Streichung der Finanzierung beeinträchtigt Sicherheit der Flüge nicht


„Auf die Sicherheit der Flüge wirkt sich das nicht aus, aber auf die Effizienz des Flugbetriebs“, sagte Luftfahrtexperte Boris Rybak Russland-Aktuell. Da es sich bei dem Komplex um Staatseigentum handle, könne East Line die Kosten selbst dann nicht übernehmen, wenn der Konzern dazu bereit wäre – aus rechtlichen Gründen.

So wird sich East Line wohl mit einer Anhebung der Pachtgebühr einverstanden erklären müssen. Wenn alle Forderungen erfüllt seien, werde 2010 auch die Finanzierung wieder aufgenommen, erklärte Alexander Awdonin vom Verkehrsministerium dazu lakonisch.