Dienstag, 29.12.2015

Parken: Moskaus Lizenz zum Gelddrucken

Der Moskauer Abschleppdienst im Einsatz - ein grünes Krokodil hat seine Beute geschnappt.
Moskau. Die Stadtregierung hat den Moskauern ein besonderes „Weihnachtsgeschenk“ bereitet. Seit Sonnabend ist Parken fast überall in Moskau kostenpflichtig. Die Parkgebühren haben sich bewährt – als Einnahmequelle ohne Ausgaben.
Um 291 Straßen hat sich die Liste der gebührenpflichtigen Parkplätze in Moskau erweitert. Parktisch alle Löcher innerhalb des dritten Moskauer Rings wurden geschlossen. Auf den Index kamen zudem eine Reihe von Straßen und Gässchen in der Nähe von Metro- (WDNCh, Babuschkinskaja, Retschnoi Woskal, Jugo-Sapadnaja…) und Bahnstationen (Karatscharowo, Petrowsko-Rasumowskoje, Elektrosawodskaja…) außerhalb des Dritten Rings.

Eine Stunde Parken in der neuen Parkzone kostet 40 Rubel (0,50 Euro), das ist die Hälfte dessen, was das Abstellen eines Fahrzeugs innerhalb des Boulevardrings kostet (dort erhöht sich allerdings der Tarif noch, wenn das Auto mehr als eine Stunde geparkt wird).

Der Bequemlichkeit wegen


Der Leiter des Moskauer Verkehrsamts Maxim Liksutow schloss eine neue Erweiterungsrunde gebührenpflichtiger Parkplätze 2016 bis hin zum Autobahnring MKAD nicht aus. Begründet wird die Maßnahme mit mehr Bequemlichkeit für Fußgänger, öffentlichen Nahverkehr und auch die Autofahrer selbst.

Das Know-how ist nicht neu. Fast alle Großstädte der Welt kämpfen mithilfe von Parkverboten und Gebühren gegen Stau und Engpässe auf den Straßen. Das chronisch staugeplagte Moskau hat die Technologie 2013 im Bereich des Gartenrings als Experiment eingeführt.

Ohne Anhörung und Parkhäuser


Und doch erwiesen sich die Moskauer Beamten als findig – zumindest in zwei Punkten: So versichert Liksutow, bei der Ausweitung der gebührenpflichtigen Parkzonen sei auf die Bitten der Anwohner eingegangen worden. Öffentliche Anhörungen zu dem Punkt hat es jedoch nicht gegeben, ja selbst die Abgeordneten der Stadtteilparlamente bestreiten, dass sie für die Einführung gestimmt hätten. Somit wusste die Stadtregierung offenbar besser um die Bedürfnisse ihrer Bewohner Bescheid als diese selbst.

Und während in anderen Städten aufwändig Parkhäuser und ein elektronisches Parkleitsystem entwickelt wird, kommen Moskauer Behörden mit ein paar Strichen am Straßenrand aus, die aus zuvor kostenlosen Parkplätzen gebührenpflichtige werden lassen.

Parkplätze bleiben Mangelware


Die Ausgaben dafür sind praktisch Null, die Einnahmen beliefen sich laut Liksutow in diesem Jahr auf vier Milliarden Rubel – auch dank der rigorosen Arbeit der Abschleppdienste. Die im Volksmund „grüne Krokodile“ genannten Abschleppfahrzeuge haben einen Tarif von immerhin 5.000 Rubel pro Ausfahrt.

Die Sparsamkeit wäre eines Schwaben würdig, hat nur einen Nachteil: Die Zahl der Parkplätze erhöht sich damit nicht – und selbst ein Anrainerausweis ist noch lange keine Garantie dafür, einen Abstellplatz in der Nähe seiner Wohnung zu finden.