Dienstag, 27.10.2009

Quarantäne wegen Grippewelle an Moskauer Schulen

Die Grippe geht um - und manche betroffene Schulklasse wird komplett nach Hause geschickt (Foto: newsland.ru)
Moskau. An Moskauer Schulen geht die Grippe um. Wegen Ansteckungsgefahr wurden bereits 373 Schulklassen vorzeitig in die Herbstferien geschickt. Kein Grund zur Freude für die Betroffenen. Sie sind in Quarantäne.

„In Moskau wurden 373 Klassen in 158 Schulen zur Quarantäne geschlossen, das sind etwa zwei Klassen pro Schule“, erklärte Russlands Oberster Amtsarzt Gennadi Onischtschenko. Seinen Angaben nach musste allerdings noch keine Schule vollständig wegen der Grippe dicht gemacht werden.

Hoffen auf Ferien


Die Behörden hoffen, dass die ab kommender Woche offiziell beginnenden Herbstferien eine gewisse Entspannung bringen. Derzeit steigt die Zahl der Infektionen stark an. Sie liegt nach Angaben Onischtschenkos 21 Prozent über dem Durchschnitt.

Die meisten Schüler haben sich eine gewöhnliche Erkältung oder Grippe eingefangen. Doch auch der Grippevirus A/H1N1, auch bekannt als Schweinegrippe, ist bei vielen Moskauern schon registriert worden. Offiziell gibt es derzeit 444 Schweinegrippe-Fälle in der russischen Hauptstadt.

Schweinegrippe verbreitet sich in Moskau


Unter den Patienten befinden sich auch 194 Kinder. Die Gesundheitsbehörde weist zugleich auf das Risiko einer Ansteckung im Ausland hin. Von den 444 Schweinegrippe-Kranken seien 297 erst vor kurzem von einer Auslandsreise wiedergekehrt.

Während an den Schulen erhöhte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden, ist der Universitätsbetrieb bislang nicht berührt, obwohl es auch unter den Studenten bereits erste Ansteckungen mit dem Virus A/H1N1 gibt. Offiziell bestätigt sind Fälle an der bekannten Baumann-Universität.

Vier Studenten offiziell registriert


„Vier Ansteckungsfälle unter Studenten von vier unterschiedlichen Semestern an drei unterschiedlichen Fakultäten wurden im Labor bestätigt. Dort wurden erhöhte medizinische Vorkehrungen getroffen, aber keine Schließungen vorgenommen“, sagte Onischtschenko.

Auch Patienten, die sich nachweislich mit dem Virus A/H1N1 infiziert haben, werden nicht automatisch ins Krankenhaus eingewiesen. Bei leichten Fällen werden sie nach Hause geschickt. Voraussetzung ist, dass die Betroffenen nicht in einem Wohnheim oder einer so genannten Kommunalka (Wohnung mit mehreren Mietparteien) leben und zu Hause über die nötige medizinische Versorgung verfügen.

Berichte, dass die Krankenhausbetten in Moskau nicht ausreichen, wies Onischtschenko zurück. Im Notfall stehen 1.500 Betten bereit, sagte er.

Epidemie in Russland weitet sich aus


In ganz Russland hat die Gesundheitsbehörde inzwischen 1.500 Schweinegrippe-Fälle registriert. In der Region Sabaikalje sind zwei junge Frauen an der Infektion gestorben, eine der beiden Toten war im neunten Monat schwanger. Die Ärzte konnten das Kind nicht retten.

Die erste Tote soll es bereits im August gegeben haben. Der bekannte Virusologe Dmitri Lwow berichtete über den Tod einer 46-Jährigen, die sich bei einem Urlaub in Bulgarien infiziert haben soll. Die Krankheit sei nicht sofort erkannt worden, daher sei die Überweisung in sein Institut für Virusologie zu spät erfolgt, erklärte Lwow.

Onischtschenko hatte die Meldung damals dementiert und sowohl Lwow als auch den staatlichen Fernsehkanal „Rossija“ als „Informationsterroristen“ beschimpft. Nach Angaben Lwows wurde seine Diagnose allerdings inzwischen von führenden Virus-Forschern in Russland bestätigt.