Dienstag, 10.11.2009

Vierter Autobahnring in Moskau kostet Milliarden

Der dritte Moskauer Ring - hier ein Tunnelabschnitt - steht oft genug im Stau. Ring Nr. 4 soll Erleichterung bringen (Foto: ab/.rufo)
Moskau. Eine vierte Ringstraße soll den Autoverkehr in Moskau entlasten. Doch die Kosten explodieren. Derzeit wird das erste, vier Kilometer lange Teilstück projektiert. Der Abschnitt kostet über 1,5 Mrd. Euro.
Der vierte Ring verläuft nach den Planungen der Stadtplaner zwischen dem schon existierenden dritten Ring und dem Moskauer Autobahnring MKAD, der einmal um die russische Hauptstadt herumführt. Die Länge des vierten Rings beträgt 74 Kilometer, er soll acht oder mehr Spuren besitzen. Nur ein kleiner Teil der Strecke (im Westen Moskaus) existiert schon.

Ausschreibung im vergangenen Jahr


Im Osten haben die Bauarbeiten gerade begonnen. Im Mai 2008 hat die Firma „Mostotrest“ (zu den Aktionären gehören u.a. die russische Eisenbahn RZD und Michail Abysow, einst unter Anatoli Tschubais Vize-Chef des Strommonopolisten RAO EES Rossii) die Ausschreibung für den Bau des Abschnitts zwischen den beiden Ausfallstraßen Chaussee der Enthusiasten und Ismailowskoje Chaussee gewonnen. 2011 soll das Teilstück übergeben werden.

Die Kosten für die vier Kilometer lange Strecke sind gewaltig. 66 Mrd. Rubel (gut 1,5 Mrd. Euro) kostet der Abschnitt. Die Strecke sei sehr schwierig zu planen und zu bauen, erklären die Bauherren, denn es müssen gleich mehrere Tunnel und Brücken errichtet werden. Doch die Baukosten für die Straße machen nur ein Drittel der Gesamtsumme aus.

Nebenkosten sind üppig


Praktisch ebenso viel müsse in die Infrastruktur der anliegenden Gebiete investiert werden, heißt es im Projekt. Das Gebiet, durch das der Ringabschnitt verlegt werden soll, ist engbebaut. Wasser-, Wärme-, Strom- und Gasleitungen müssen in das System neu eingebettet, eine 37 Kilometer lange Kanalisation und sogar 36 Kilometer Gleisbett neu verlegt werden, teilte Moskaus Stadtarchitekt Alexander Kusmin mit.

In die Vorbereitung des Projekts, den Landkauf und die Anschlussstrecken für Brücken und Tunnel fließen dann ebenfalls noch mal etwa 500 Mio. Euro. Erstaunlich, doch trotz der Krise wurden die Berechnungen nicht nach unten korrigiert.

Dass die Preise beim Moskauer Straßenbau überhöht seien, sei eine Legende, erklärt Michail Blinkin, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Transport und Straßenwesen. Die Rentabilität eines Straßenbauprojekts liege zwischen fünf und sieben Prozent, stimmt Dmitri Jewesejew, Vize-Präsident der Baufirma „Ingeokom“, zu.

Veruntreuung beim MKAD werden ermittelt


Freilich wird bei einem anderen gigantischen Autobahnprojekt gerade wegen Veruntreuung ermittelt. Der MKAD, Mitte des 20. Jahrhunderts erbaut und damals fast durchgängig autofrei, musste Mitte der 90er Jahre renoviert und ausgebaut werden, um den zunehmenden Verkehr zu bewältigen.

Wie das Ermittlungskomitee des Innenministeriums nun erklärte, wurde die Straße dabei an jeder Seite um zehn Zentimeter enger gebaut als im Projekt veranschlagt. Die Baufirmen hätten auf diese Weise rund 256 Mrd. Rubel (in den Preisen von 1995 – also etwa 40 Mio. Euro) unterschlagen, teilten die Behörden mit.