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Mosfilm - das Moskauer Elitefilmstudio hat die Krise überwunden. (Foto: Schultz/.rufo)
Mosfilm - das Moskauer Elitefilmstudio hat die Krise überwunden. (Foto: Schultz/.rufo)
Donnerstag, 19.05.2011

Mosfilm – verlorener Planet oder Phönix aus der Asche?

Moskau. Der Kinokonzern Mosfilm stellt sich neu auf. Nach dürren Jahren in der Umbruchszeit präsentiert sich das alte sowjetische Elitefilmstudio als moderne Produktionsstätte und exqusiter Dienstleister der Branche.

Die Geschichte des Filmstudios reicht bis ins Jahr 1924 zurück, als der Film von Boris Michin „Auf Flügeln in den Himmel“ erschien. Mosfilm blickt also auf 87 Jahre wechselhafte, interessante und den Film des Landes prägende Jahre zurück.

Im November 1927 fand die Grundsteinlegung des Mosfilmstudios statt. Damals lag das Studiogelände noch weit außerhalb der Stadt, umgeben von dörflicher Atmosphäre. Heute befindet es sich in einem noblen und teuren Stadtbezirk, in der Nachbarschaft von Edelherbergen und Botschaften.

Die Blütezeit des Mosfilmstudios


Bei Mosfilm arbeiteten weltbekannte Regisseure wie Eisenstein, Pyrjew, Dowschenko, später Tarkowski, Bondartschuk, Schukschin, Michalkow, Menschow. Zwei Oscars konnten Mosfilm-Werke einheimsen, Nominationen gab es mehrere.

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Für Sergei Bondartschuks epochales Werk „Krieg und Frieden“ und für Waldimir Menschows „Moskau glaubt den Tränen nicht“ gab es die begehrte Figur der amerikanischen Filmakademie.

Bondartschuks Streifen war bis vor kurzem der teuerste russische Film aller Zeiten. Eine militärische Einheit wurde extra für den Film aus dem Boden gestampft, Massenszenen von bis zu 10.000 Mann gestemmt und Kameraaufnahmen mit ingenieurtechnischen Tricks gemeistert.

Chefkameramann Anatoli Petritzki ist zum Beispiel bei der Ballszene (Nataschas erster Ball) mit Rollschuhen um die Tanzenden gefahren, Schienen hätten nur den Rhythmus des Tanzes gestört.

Die militärische Einheit gibt’s übrigens bis heute, sie gehört jetzt zum Reiterregiment des russischen Präsidenten.

Der zweite Oscar kam sehr unerwartet: Mit Wladimir Menschows „Moskau glaubt den Tränen nicht“ konkurrierten Filme von hochkarätigen Regisseuren wie Truffaut oder Szabo um die Trophäe für den besten ausländischen Film.

Der Regisseur durfte der Einladung der amerikanischen Kinoakademie damals nicht Folge leisten und musste zu Hause bleiben. An seiner Statt nahm der sowjetische Kulturattaché den Oskar in Empfang.

Die Mosfilm-Produktionen fanden aber auch ohne Oscars den Zugang zu den Herzen der Zuschauer. Streifen wie „Sie kämpften für die Heimat“, „Mimino“, „Das Zigeunerlager zieht in den Himmel“, um nur einige wenige und sehr unterschiedliche Streifen zu nennen, werden auch heute noch gern gesehen.

In der Requisitenkammer von Mosfilm sind auch ausgewachsene Panzer zu finden. (Foto: Wiedemann/.rufo)
In der Requisitenkammer von Mosfilm sind auch ausgewachsene Panzer zu finden. (Foto: Wiedemann/.rufo)

Mosfilm – der Planet der Wünsche


Mosfilm war für alle Regisseure, Kameraleute und Schauspieler ein ferner Planet. Sie wollten ihn unbedingt erobern, dort arbeiten und Filme machen. Menschow, ein Nichtmoskauer, war sehr erstaunt, als er an einem Trolleybus die Aufschrift Mosfilm sah.

Er konnte nicht glauben, dass sein Planet der Träume real und sozusagen um die Ecke wirklich existiert. Mit dem Trolleybus fuhr er hin und umrundete zu Fuß das gesamte Territorium, immer durch den Zaun nach bekannten Stars des Sowjetfilms Ausschau haltend.

Mosfilm hatte zu Sowjetzeiten 5.000 Mitarbeiter, rund 80 große Spielfilme produzierte das Studio im Jahr. Dann kam der Bruch, die Zeit der Wirren und der Wende. Da stand der Sinn nicht so recht nach Filmen.

Monatelang ohne Gehalt arbeitende Mitarbeiter versuchten zu überleben, da ging schon mal etwas aus dem Fundus eigenartige Wege. Geld für neue Technik wurde nicht genehmigt. Nur die hart gesottensten Mitarbeiter harrten aus.

Neuorientierung des Filmstudios


Aber dann war Licht am Ende des Tunnels in Sicht. Ende der 90er wurde der bekannte Regisseur Karen Schachnasarow zum Chef des dahinsiechenden Studios bestimmt. Er sollte Feuerwehr und Ambulanz in einem sein. Ähnlich wie Volker Schlöndorf bei der DEFA.

Schachnasarow hatte sich zum Ziel gesetzt, eines der modernsten Studios Europas auszustatten. Alle Mittel, ob selbst erwirtschaftet oder zugeteilt, wurden dafür eingesetzt. Die allgemeine Kleptomanie von Staatsgeldern fand hier nicht statt.

Und heute ist Mosfilm mit seinen Tonstudios, Mischpulten, mit seiner Post-Production führend in der Welt. Sinfonieorchester von Weltrang und Opernstars zeichnen hier ihre Werke auf, Regisseure mischen ihre Filme in den Tonstudios von Mosfilm.

Vierzehn Pavillons mit insgesamt 13.000 Quadratmetern Fläche stehen für Film- und Fernsehproduktionen bereit. Und ein ungeheurer Fundus. Allein in der Ausstattungsabteilung finden wir 300.000 Requisiten, im Kostümfundus rund 900.000 Kostüme.

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Dazu kommen noch unzählige Waffen aus verschiedenen Zeiten, Autos, Busse, Oldies. Und in Alabino bei Moskau steht Kriegstechnik mit Panzern, Katjuschas, LKWs, Schützenpanzerwagen und so weiter. Und alles fahrbereit. Bei der derzeitigen Welle von Kriegsfilmen haben die fünf Angestellten alle Hände voll zu tun.

Mosfilm ist am Abgrund vorbei geschrammt und wieder auferstanden. Aber in einer etwas anderen Form. Vom größten Spielfilmproduzenten avancierte Mosfilm zum derzeit größten Dienstleister in der Film- und Fernsehbranche.

Technik- und Studiovermietung und Produktion von Fernsehshows aller Couleur, von Fernsehserien und leider nur sehr wenig Spielfilmen. Schachnasarow ist aber fest entschlossen, wieder Spielfilme in den Studios von Mosfilm zu drehen, nicht nur seine eigenen.

Trotz Belastung durch die Leitung des Studios macht er konsequent fast jedes Jahr einen Film. Im Moment bereitet er den „Weißen Tiger“ vor, einen Film ebenfalls mit Kriegshintergrund, der sich aber ins Mystisch-Philosophische ausweitet.

Mosfilm will auch im russischen Kinogeschäft, in dem es gerade mächtig rumort und das sich ständig verändert, mitmischen und als Produzent auftreten. Als ein großer unter den agierenden Spielern hat Mosfilm sogar Chancen, an die begehrten Geldtöpfe des staatlichen Filmfonds zu gelangen.



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